„Animal Lovers“ Ausstellung in Berlin

Am Samstag den 5. November besuchten 5 Mitglieder unseres Vereins in Berlin ein Symposium zur Ausstellung „Animal Lovers“ , auf dem es unter anderem auch um Zoophilie gehen sollte.

Ambivalente Verhältnisse: Das Mensch-Tier-Verhältnis aus soziologischer Perspektive

Der erste Vortrag stellte die These auf, dass es in unserer Gesellschaft einerseits eine Tendenz zur Objektifizierung des Tieres gibt (dies vor allem im Kontext der Agrarindustrie) und gleichzeitig eine Tendenz zur Personalisierung des Tieres (dies vor allem im Kontext der Haustiere, die eigene Namen erhalten und oft als vollwertiger Teil ihrer Menschenfamilie leben). Beide Tendenzen haben in den letzten Jahren eine Verstärkung erlebt. Dies führe unter anderem dazu, dass journalistische Veröffentlichungen zu den Zuständen an Orten, an denen Tiere stark objektifiziert sind, bei den Menschen, die Tiere stark personalisieren, zu immer stärkerer und auch massiverer Kritik führen. Der Vortragende schloss mit der Vorhersage, dass sich diese Konflikte weiter verstärken werden, bis es schließlich unausweichlich werden wird, das Verhältnis unserer Gesellschaft zum Tier grundsätzlich neu zu klären.

„Giraffendrama“ und „Kaninchenmörder“: Die mediale Konstruktion ambivalenter moralischer Ordnung im Rahmen der Skandalisierung von Gewalt an Tieren

Der zweite Vortrag griff diese ambivalente Moral in unserer Gesellschaft auf und stellte sie daran dar, wie die Gesellschaft einerseits relativierend und verharmlosend auf institutionalisierte Gewalt an Tieren reagiert (u.a. wenn es um Massentierhaltung geht), gleichzeitig aber bei individueller Gewalt gegen (Haus-)Tiere stark emotional reagiert. Allerdings zeigte die Vortragende auch auf, dass aus den einzelnen Skandalen auch Meta-Diskussionen entstehen können, die unseren Umgang mit und unsere Einstellung Tieren gegenüber hinterfragen und im Endeffekt geeignet sind,die im ersten Vortrag erwähnte Neuaushandlung der gesellschaftlichen Beziehung zum Tier voranzutreiben.

Für politische Akteure für Tierrechte können dies beides wichtige Erkenntnise sein, denn um umfassende Rechte für alle Tiere zu erreichen, könnte es genügen, die Schutzrechte für einige Tiere (z.B. Haustiere und/oder Zootiere) voranzutreiben. Dies würde die Ambivalenz in der Gesellschaft im Umgang mit Tieren langfristig verstärken und könnte die Entwicklung bis zur grundsätzlichen Neuklärung beschleunigen.

Die Lust auf das Tier. Zoophilie und der normative Reflex

Der dritte Vortrag fasste die um 2013 stattgefundene Diskussion rund um das „Zoophilie-Verbot“ ( das keins ist ), fundiert und sachlich neutral zusammen. Sowohl unsere Argumente wurden ausführlich erläutert als auch die Argumente der „Anti-Zoophilen“. Vor den 50-60 Gästen erläuterte der Vortragende die Widersprüchkeit in der Argumentation der Anti-Zoos und berichtete davon, wie seine Studenten bei den verschiedensten, auch kontroversen, Themen zu klarem Denken fähig waren, jedoch beim Thema Zoophilie sofort ausrasteten und teilweise sogar den Raum verließen. Dabei zeigte er sich verwundert, dass die Tierliebe in Form von „Agape“ ( der elterlichen Liebe ) und „philia“ ( der rein emotionalen Liebe ) gesellschaftlich akzeptiert seien, während „eros“ (die sexuelle Liebe) völlig tabuisiert und stigmatisiert sei. Er stellte die Vermutung auf, dass dies auch damit zusammenhänge, dass im Moment der sexuellen Liebe die Mensch-Tier-Grenze durchbrochen würde, der Mensch sich selbst zum Tier „herabsetze“.
Die Abgrenzung des Menschen vom Tier gehe sogar so weit, dass eine Studie in der Schweiz zum Ergebnis gekommen sei, dass Zoophilie eine Konstante in der Geschichte der Menschheit sei und Zoophilie im Kern ganz normale Menschen seien. Dies führte aber nicht zu dem Schluss, die Notwendigkeit einer Diskriminierung abzulehnen, sondern es wurde gerade als Grund dafür genommen, zu fordern, Zoophilie nun endlich endgültig zu verbieten.

Im Anschluss gab es noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und es entwickelte sich noch eine angeregte Diskussion, die zum größten Teil Zoophilie zum Thema hatte und erstaunlich offen war. Wir freuen uns sehr, dass die vor 3 Jahren stattgefundene Debatte bis heute Teil der öffentlichen Wahrnehmung und Bestandteil öffentlicher Diskurse und studentischer Auseinandersetzung ist.