Cavallo und Weltbild

In der Online-Ausgabe der Zeitschrift Cavallo ist ein Artikel über die Gerichtsverhandlung gegen einen Pferderipper.

Eins scheußliche Geschichte – gut, daß sie den geschnappt haben, aber:

Der Täter wurde nach Jugendstrafrecht abgeurteilt, weil er bei der ersten gestandenen Tat noch 17 war. Was er da bekommen kann, beziehungsweise angeblich auch bekommen hat, ist wahrlich lächerlich. Sicher soll das Jugendstrafrecht den Erziehungsgedanken vor die Strafe stellen, da stehen dann meine Rachegelüste hintan, obwohl ich überhaupt nicht betroffen bin, aber warum hat man das Früchtchen nicht wegen erwiesener Fremdgefährdung auf unbestimmte Zeit zwangseingewiesen? Meiner küchenpsychologischen Beurteilung nach ist bei dem von positiver Sozialprognose nicht wirklich auszugehen.

Aber das nur am Rande.

Erstaunt und erfreut hat mich jedoch der Text der Zeitschrift selber.

Er leidet angeblich unter einer psychischen Störung und wuchs im Heim auf. Menschen wie er gelten als Zoosadisten (Menschen, die Tiere missbrauchen und dabei verletzen) und sind oft in Internetforen angemeldet, wo sie sich mit ihren Taten brüsten.

Welche Foren das sein sollen, weiß ich zwar nicht, aber wird es sicher geben.

Eine sexuelle Handlung mit Tieren gilt als eine Ordnungswidrigkeit und ist kein Verbrechen.

Das ist das erste Mal, wo ich in einer Publikumszeitschrift die Unterscheidung zwischen Zoosadisten und Menschen, die eine sexuelle Beziehung mit einem Tier haben, sehe.

Endlich einmal werden wir nicht mit den Zoosadisten in einen Topf geworfen und dann gut verrührt.

Meinen Glückwunsch an die Autorin Cathrin Flößer und die Redaktion der Cavallo für diesen Fortschritt im Weltbild!

  • Mechahorse

    Aha, eine sexuelle Handlung ist also gleichbedeutend mit einer sexuellen Beziehung…Logik, Marke Kiok. Worin der „Fortschritt“ jetzt liegen soll, daß eine Autorin die Gesetzeslage korrekt wiedergibt, das müssen Sie mir aber auch erst einmal erklären. Als ob dadurch Zoophilie auf einen Schlag tolerabel und akzeptiert wäre…

    Bitte hören Sie doch endlich auf mit diesem prätentiösen Querlesen, mit Spekulationen und einseitigem Verstehen. Als Reiter kann ich Ihnen jedenfalls sagen, daß die „Cavallo“ keinesfalls ein richtungsweisendes Blatt für die Reiterszene ist, sondern eher sowas wie die Blitzillu für Möchtegernreiter. Als das wird die Cavallo jedenfalls von den meisten Profireitern gesehen. Diesem Artikel, der vermutlich Zugriffszahlen im Nanobereich hat, irgendeine grössere Bedeutung beizumessen ist vermessen. Und ob die Meinung einer einzelnen Autorin jetzt vollumfänglich die Meinung von „Cavallo“ darstellt, das wäre auch noch zu erörtern.

    • Friedrich Mertens

      Nein, das ist nicht gleichbedeutend. Da es aber hier um den Unterschied zwischen Tierquälerei und sexuellen Handlungen geht, sind die weiteren Unterscheidungen nebensächlich. Beziehung ist bei Zoophilen eben der Regelfall.
      Was die Cavallo und ihre Leserschaft betrifft: Die Profis jeder Art haben mit uns doch sowieso weniger ein Problem. Die Muttis schon. Also genau die richtige Zielgruppe.