Zoos und Altern

Mit mehr als Mitte 50 denke ich so langsam über die Gestaltung des 3. Lebensabschnitts nach und stelle fest: Ich bekomme ein dickes Problem. Theoretisch könnte ich tatsächlich einmal etwas gestalten, anstatt vom Schicksal in alle möglichen und unmöglichen Lebensumstände gestoßen zu werden. Ganz so frei geht das aber dann doch nicht. Oder wenigstens nur so lange, wie ich noch uneingeschränkt funktioniere. Momentan geht das gerade noch so, weil sich die Gehfähigkeit von mir an die verbliebene Gehfähigkeit meines Hundes angleicht, aber einem jungen und gesunden Hund werde ich nicht mehr gerecht. Also vergiß es.

Spätestens in 10 Jahren kann ich mich auch nicht mehr um ein Pferd oder ein anderen großes Tier kümmern, mit Ausmisten und allen schweren Arbeiten, die dazu gehören. Von den zu erwartenden Ausfällen mal ganz abgesehen. Immer öfter werde ich einfach nicht können, wegen Knochen, Psyche, Migräne, Stoffwechsel – es bröckelt halt, die Leistungsfähigkeit läßt nach, ich werde nicht immer funktionieren.

Ich werde irgendwann auch mich selber nicht mehr versorgen können. Dann müßten mich Menschen versorgen, sie dauernd um mich haben, jemand, der mich füttert, mir etwas zu trinken reinzwingt, mich regelmäßig aufs Töpfchen setzt…

Alles lieb gemeint und engagiert ausgeführt, bestenfalls sogar mehr als satt sauber und trocken, vielleicht will man mich auch in bester Absicht durch Konversation aufheitern, oder der mitteilungsfreudige Oberfeldwebel a.D. Müller-Lüdenscheid, mein Zimmergenosse, nötigt mich zu Risiko oder Monopoly.

Für einen normalen Greis optimal. Aber ich bin nicht normal. Ich vertrage Menschen nur dosiert. Im Kontakt mit Menschen bin ich immer unterschwellig im Alarmzustand. Das strengt an. Im Kreise meiner Tiere kann ich mich entspannen, und diese Erholung brauche ich auch. Ich werde aber ein Tier nicht mehr versorgen können. Dafür brauche ich dann wieder Menschen. Tiere werden mich auch nicht versorgen können.

Unter einer Wärmelampe in einer Box leben? Am besten dick mit Sägespänen eingestreut, das ist dann auch gut für die fortschreitende Inkontinenz – morgens einmal mit der Schaufel ausmisten und gut.

Dann aber möglichst in einem Land wo es wärmer ist.

Ist das realistisch? Wohl eher nicht. Ich werde wohl meinen Horror kultivieren müssen.

Schöne Aussichten…

  • Friedrich Mertens

    zu 1) Jaja, Kein Alkohol, kein Sex, nicht rauchen, keine Drogen, viel Sport treiben, und man kann 40 Jahre der Gesellschaft auf der Tasche liegen. Aber es macht keinen Spaß.

    zu 2) Den Verein zu gründen war der Wunsch von Vielen, ich habe es nur durchgeführt. Daß das Streß gibt, war abzusehen. Im Gegensatz zu Ihrer Vermutung war der aber schon lebenslang da, es konnte also nicht viel schlimmer werden. Und zu wenig Empathie könnte ich nicht behaupten, eher zuviel.

    zu 3) Man könnte die Späne auch ins Schlafzimmer schütten, wenn Sie das beruhigt. Allemal besser als Windeln. Da sind dann aber nicht die anheimelnden Laute der Pferde in der Nacht, und ihre Gerüche.

    zu 4) Das ist die Rubrik „Persönlich“, deswegen ist es persönlich. Wenn Sie das aber befriedigt, stelle ich gerne eine Dokumentation über meine Fußnägel hier ein.

    zu dem Rest dieser Meinungeäußerung) Wie ein weiser Mensch einmal sagte: „Das Leben dauert 60 Jahre, wenn’s hoch kommt sind’s 70, und wenn es köstlich war, ist es Mühe und Arbeit gewesen.“ Vielleicht wiederfährt mir ja das gesellschaftsfreundliche Frühableben. Bis dahin dürfen Sie mich aber gerne für einen Märtyrer halten und anbeten ;-)